Den ersten Meilenstein erreicht

Jugendförderung im Zeichen des demografischen Wandels / Preisträger motivieren zur Nachahmung

Von Christian Wolf (Ahlener Zeitung)

AHLEN. „Stiften gehen“, sagte Bürgermeister Benedikt Ruhmöller, das sei – zum Glück – eine Art „Breitensport“ geworden. Denn so ließen sich viele bedenkliche Entwicklungen abmildern oder gar abwenden. „Die Gesellschaft wird immer älter, auch hier in Ahlen. Zwischen 2010 und 2050 wird unsere Stadt gut 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung verlieren“, verdeutlichte Ruhmöller. Gerade deswegen komme der Kinder-und Jugendstiftung des Rotary-Clubs Ahlen eine nachhaltige Bedeutung zu.


Sie alle sind Vorbilder: Die Kinder- und Jugendstiftung des Rotary-Clubs Ahlen ehrte im „Cinema Ahlen“ Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr Ahlen, des Vereins „Keiner geht verloren“ und des Kopernikus-Gymnasiums aus Neubeckum.

Mit der erstmaligen Verleihung des Förderpreises „Stille Helden“, die am Samstag im „Cinema Ahlen“ erfolgte, erreichte die noch junge Stiftungsgeschichte einen Meilenstein. Mit diesem Akt, betonte Rotary-Präsident Dr. Frank Wasserloos, nimmt sie äerst ihre Arbeit richtig auf. Der Stiftungsvorsitzende Dr. Peter Lucke verband dies mit einem persönlichen Wort an Annelie Leifeld: „Sie haben einen maßgeblichen Beitrag für unsere Gründung geleistet. Wir haben uns damals in die Hand versprochen, genau diesen Preis zu initiieren. Liebe Frau Leifeld, es ist geschafft.“ Die Angesprochene erhielt als symbolisches Zeichen dieses Meilensteins einen Blumenstrauß.

Lucke hielt in seiner Rede nicht hinterm Berg, dass die Bildungsschere trotz aller Bemühungen weiter auseinandergeht. Da sei die Stiftung sicher kein Allheilmittel. Aber: „Unsere Finanzkraft ist viel höher, als wir erwartet haben. Wir haben noch genug Mittel, um gezielt Hilfe zu leisten und Projekten Starthilfe zu geben.“ Daher schloss der ehemalige Sparkassen- Vorstand mit Worten John F. Kennedys: „Wenn wir uneins sind, gibt es wenig, was wir können. Wenn wir uns einig sind, gibt es wenig, was wir nicht können.“

Nadine Helbeck, das betonten alle Redner unisono, dürfe stolz darauf sein, als erste „Stille Heldin“ ausgezeichnet zu werden. Die Unterbrandmeisterin, die nach eigenen Worten nie mit solch einer Ehrung gerechnet hatte, möchte die mit 2000 Euro dotierte Rotary-Würdigung jedoch nicht für sich alleine behalten. „Ich nehme den Preis stellvertretend für die Arbeit aller meiner Feuerwehr-Kameraden entgegen“, sagte sie. Es steht außer Frage, dass Nadine Helbeck das Preisgeld für die Zwecke „ihrer“ Jugendfeuerwehr nutzen möchte: „Ich denke da an eine geeignete Wetterschutz-Ausrüstung.“ Vor allem bei langen Diensten im Freien, wie dem Weihnachtsmarkt, hatten in der Vergangenheit viele junge Wehrleute über die Kälte geklagt. Jetzt sind nagelneue „Jugendfeuerwehr- Parker“ in greifbare Nähe gerückt, was auch Wehrführer Walter Wolf mit zustimmendem Kopfnicken quittierte.

„Eigentlich“, sagte Dr. Peter Lucke, „wollten wir heute nur einen einzigen Preis übergeben – und dabei bleibt es grundsätzlich auch.“ Der Vorstand habe jedoch einmütig die Auffassung vertreten, dass es zwei Vorschläge in besonderer Weise verdienten, ebenfalls mit einem Preisgeld von jeweils 1000 Euro bedacht zu werden.

Der Verein „Keiner geht verloren“, den Berni Recker und Sylvia Adam-Recker vor drei Jahren auf den Weg brachten, erhielt den ersten Sonderpreis. Mit dem zweiten bedachten die Rotarier das Kopernikus-Gymnasium aus Neubeckum, das Schüler und Senioren näherbringt. äBeide Projekte, so die Jury, verstünden es, anderen Jugendlichen Vorbilder zu schaffen und zur Nachahmung anzuregen.


Dicht gefüllt war der „Imo-Moszkowicz-Saal“ im „Cinema Ahlen“ am Samstagvormittag. Die Preisverleihung „Stille Helden“ hatte Premiere.

Berührungsängste kennen sie nicht

Sonderpreis 2: Jung trifft Alt – Alt trifft Jung

Das Projekt „Jung trifft Alt – Alt trifft Jung“ wurde vom Neubeckumer Kopernikus-Gymnasium ins Leben gerufen. Seit April 2010 kümmern sich Schüler des neunten Jahrgangs außerhalb ihrer Unterrichtszeit wöchentlich um Bewohner des Seniorenzentrums St. Anna.

Ein generationsübergreifender Austausch ist ihr Ziel, um das Verständnis von alten und jungen Menschen für die jeweiligen Belange des anderen zu stärken, Berührungsängste abzubauen und konkrete Unterstützung im Alter anzubieten. Die Schüler sorgen bei den zum Teil demenzkranken Menschen für mehr „Beweglichkeit“ – sowohl, was die Psyche als auch die Physis angeht.

Ahlener Zeitung, 07.11.2011