Sie geh├Ârt mittlerweile zum festen Programm am Kopernikus-Gymnasium Neubeckum: Die Wanderfahrt der achten Klassen. Das Prinzip ist schnell erkl├Ąrt. Die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler lernen eine dreit├Ątige Wandertour zum Hermannsdenkmal unter Anleitung der Lehrkr├Ąfte selbstst├Ąndig zu planen, zu organisieren und Anfang Juli dann auch tats├Ąchlich durchzuf├╝hren. Selbstst├Ąndigkeit, Durchhalteverm├Âgen, Zielstrebigkeit und Verantwortungsbewusstsein ÔÇô das sind die Ziele, die hinter dieser Idee stecken. Die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler sollen ihre eigenen Grenzen kennenlernen, Spa├č haben und sich gegenseitig unterst├╝tzen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. ÔÇ×Die Kinder sind in einem Alter, in dem sie B├Ąume ausrei├čen k├Ânnen ÔÇô aber das herk├Âmmliche, starre System Schule bietet ihnen nur wenige M├Âglichkeiten dazuÔÇť, so wird Jonas Fastabend, als einer der Initiatoren dieser Wanderfahrt, gerne einmal zitiert, und er hat recht. Jedes Jahr zeigen sich unentdeckte Talente der Mitwirkenden. Dies f├Ąngt beim Organisieren und Buchen der Unterk├╝nfte an, f├╝hrt sich bei Planung von Verpflegung und Rahmenprogramm fort und m├╝ndet nichts zuletzt in der Aufteilung der zu wandernden Streckenabschnitte und versuchten Einhaltung des Budgets. Die Lehrkr├Ąfte unterst├╝tzen nur da, wo es unbedingt n├Âtig ist.

 

 

 

 

Es gilt zirka 50 Kilometer zu Fu├č auf dem Hermanns- bzw. Eggeweg zur├╝ckzulegen ÔÇô ohne Smartphone, zus├Ątzliches Geld oder weitere Hilfsmittel, daf├╝r aber mit dem eigenen Gep├Ąck auf dem R├╝cken und dem Ziel des Hermansdenkmals vor Augen.

Auch in diesem Jahr schafften es fast alle dieses auch zu erreichen und waren sichtlich stolz auf ihre Leistungen. Bei dieser Reise ist aber nicht nur das Ziel wichtig, sondern auch der Weg. So lernte auch in diesem Jahr der ein oder andere ein Lagerfeuer zu entz├╝nden, selbst zu kochen, das eigene Bett zu sch├Ątzen, ├╝ber seine k├Ârperlichen Grenzen zu gehen oder einfach durchaus zum ersten Mal die Natur unmittelbar und fernab vom Stra├čenl├Ąrm zu erleben. Schon w├Ąhrend der Wandertour zeigten sich einige Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler positiv ├╝berrascht davon, wie angenehm es durchaus ohne digitale Medien sein kann. Und auch zu Hause wieder angekommen war ein Gro├čteil froh, die Erfahrung einer selbstorganisierten Wandertour mit geringem Budget gemacht zu haben. Die Lehrkr├Ąfte lernten viele ihrer Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler ebenfalls aus einem v├Âllig neuen Blickwinkel kennen und sch├Ątzen. So taten sich bei nicht wenigen ungeahnte und bis dahin versteckte Talente auf. Und so bleibt zu hoffen, dass der ein oder andere seine neu gewonnenen F├Ąhigkeiten im Navigieren, Kochen, Sp├╝len, Organisieren und Wandern nicht wieder verlernt, sondern in der nahen Zukunft gewinnbringend einsetzen kann.

Text: Kathleen Griesbach-Gr├╝nert