Am Donnerstag, den 4. Juli 2019, beteiligte sich der Deutsch-GK von Frau Tänzler aus der Q1 an einem Workshop zum Thema Poetry Slam. Geleitet wurde dieser von Andreas Weber aus der Wortwerkstatt in Münster. Weber ist selber leidenschaftlicher Poetry Slammer und moderiert zu dem auch diverse Veranstaltungen.

 

Nach einer kurzen Einleitung ging es auch direkt mit einer kreativen Schreibaufgabe los, in der uns eine Rolle und ein Beruf zugeteilt wurden und wir dann einen Brief an unsere Oma schreiben sollten. Daraufhin haben wir unseren ersten kleinen Poetry Slam gehalten und unsere Briefe
vorgestellt.

Bei einem Poetry Slam treten mehrere Autoren mit ihren Texten gegeneinander an. Die Regeln sind dabei einfach: man versucht in fünf Minuten seinen selbst verfassten Text ohne jegliche Hilfsmittel vorzutragen und das Publikum zu begeistern. Danach wird ggf. durch Applaus oder durch eine Jury ein Sieger bestimmt, der auch einen kleinen Preis gewinnt.

Daraufhin wurden wir von Herrn Weber über verschiedene Textarten, die man auf der Bühne präsentieren kann, aufgeklärt und durften unsere eigene Liebeshymne bzw. Hasstirade schreiben. So konnten wir uns über Themen wie Schule, Radiomusik oder Reformhäuser aufregen.

Zum Schluss haben wir einen kompletten Poetry Slam mit Moderation durch gespielt, in dem die Schüler in zwei Runden gegeneinander antraten. Rückblickend kam die Praxis im Laufe des Tages etwas zu kurz, aber trotzdem war es ein gelungener Workshop, der viele Schüler vom Poetry Slam und kreativem Schreiben begeistern konnte.

Von Wiebke Lachnitt und Laura Schaffer

Das Radio (von Maike Goldkuhle)

Hi, ich bin Maike und ich muss euch mal kurz meine Meinung geigen:

Das Radio.

Ist so ´ne Sache, ne?

Ich fand`s schon immer nervig, aber heute Morgen ist mir dann endgültig der Kragen geplatzt.

Da komme ich noch im Halbschlaf die Treppe runtergestolpert und murmel in der Küche ein übermüdetes „Morgen“ zu meiner Mutter, die ohne ihren Kaffee über der Zeitung wahrscheinlich einschlafen würde. Und dann höre ich es. Das Radio. Ich höre den Start eines Liedes. Rhythmische Musik, Mainstream-Akkorde, dieselbe Melodie wie jedes andere Radiolied und dann setzt der Gesang ein. Und er ist nicht Englisch, nein, auch nicht Deutsch. Es ist Spanisch. Es ist der Albtraum eines jeden Menschen, der ein funktionierendes Gehör besitzt.

Es ist Despacito.

Und ich fange an zu schreien. Meine Mutter schreckt auf und tränkt die Tageszeitung mit ihrem heißen Kaffee und ich schmeiße mein Frühstücksbrot an die Wand. Warum spielen sie diesen Scheiß immer noch? Ich dachte der Albtraum des letzten Sommers sei vorbei! Ich sprinte zum Radio und stelle es direkt aus. Ich warte auf eine Beschwerde meiner Mutter, welche allerdings konzentriert damit beschäftigt ist die Tischdecke so hochzuhalten und zusammenzufalten, dass der Kaffee nicht auf den Boden tropfen kann. „Scheiße! Die ganze Tischdecke ist versaut!“, bemängelt sie. „Papa konnte die eh nicht leiden“, antworte ich und hebe mein Frühstücksbrot vom Boden auf und ziehe den klebrigen Käse von der Wand.

Aber es ist ja nicht nur das Lied, dessen Name nicht genannt werden darf. Zwischen dem normalen kommerziellen Elektro-, Remix- und DJ-Scheiß findet man doch tatsächlich ein paar gute Lieder. Ja, gute Lieder, die vom Radio praktisch vergewaltigt werden. Da höre ich die Anfangsklänge von Nothing Else Matters, welches sowieso schon das Mainstream Lied von Metallica ist und manchmal schaffe ich es sogar nicht direkt den Raum zu verlassen. Und ich lausche. Vielleicht summe ich sogar mit. Und dann kommen immer wieder diese kleinen Unebenheiten und ich bemerke, dass dieses wunderschöne Lied doch tatsächlich von den Idioten vom Radio auf exakt 3: 30 Minuten runtergeschnitten wurde.

Fünf Minuten später wird Helene Fischer in voller Länge gespielt und erneut landet mein Frühstücksbrot an der Wand.


Und die spielen den ganzen Tag denselben Dreck und nennen es „den besten Mix“ und spielen sogar drei Hits am Stück, wobei man die Übergänge zwischen diesen Mainstream-Pop-Liedern, die sich alle gleich anhören, eh nicht mehr erkennt. Das sind dann entweder aufgepitchte Frauenstimmen mit einer Reizüberflutung an Elektronik als Begleitung, oder dicke Beats mit ein paar Rapstimmen und nichts als Autos und halbnackten Frauen in den Musikvideos. Die Deutschen sind am schlimmsten. Wenn man Glück hat, erwischt man sogar ein Duett zwischen Ed Sheeran und Justin Bieber … Na super!

Das Radio - Wirklich eines der schlimmsten Dinge, die die Gesellschaft hervorgebracht hat und ich freue mich schon auf den nächsten Käseabdruck an der Küchenwand.