Die Musicalaufführungen der Q1 symbolisieren am KGN jährlich nicht nur das nahende Ende des Schuljahres, sondern auch das Ende einer gemeinsamen Zeit der Musicaldarsteller, die von vielen Höhen und Tiefen, ein bisschen Fleiß, Perfektion und Nervosität, aber auch viel Arbeit geprägt ist.

Aber von vorne… Denn ganz zu Beginn konnten wir das Alles ja noch nicht ahnen. So standen zu allererst Fragen im Raum wie: „Welches Musical wollen wir spielen?“, „Welche Rolle werde ich einnehmen?“, oder „Welche von Herrn Wevers Auflockerungsübungen werden wir heute machen?!„. Also kamen wir nach einer mehrwöchigen Such- und Abstimmungsphase zu dem Ergebnis, den Musikfilm „Lemonade Mouth“ am Ende des Schuljahres auf die Bühne des KGN  bringen zu wollen. Währenddessen begann allerdings auch eine andere Suchaktion; und zwar die der beiden alten Hasen im Musicalgeschäft, Herrn Wick und Herrn Wever, die allmählich starteten, nach potentiellen Hauptrollen zu suchen. Ein Prozess, der nicht zuletzt aufgrund des befürchteten Vorsingens, das die letzte Etappe dieser Suche zeichnete und sich als gar nicht so schlimm wie erwartet rausstellte, nicht nur für die Lehrer mit Spannung durchlaufen wurde.

Als schließlich alle Rollen vergeben waren und uns, den 24 Schülern des Kurses, verschiedene Aufgaben, die wir in Komitees früher oder später im Schuljahr zu erledigen hatten, zugeteilt wurden, wurde uns das Ausmaß der zu erbringenden Arbeit langsam bewusst. Nichtsdestotrotz blickten wir den kommenden Monaten optimistisch entgegen und freuten uns auf eine gemeinsame Zeit, in der wir etwas schaffen würden, auf das man später mit Stolz zurückblicken könne.

Von diesem Moment an, als die Blätter sich nach und nach in bunten Farben ihren Weg von den Bäumen Richtung Erde bahnten, begann ein manchmal nervenaufreibender und anstrengender, aber stets spaßiger Weg, der zwar die ein oder andere Mittagspause oder manche Nachmittage gekostet hat, auf dem es allerdings niemals langweilig wurde und jeder seine ganz eigene Berufung gefunden hat. Während die einen sich darüber gefreut haben, entgegen dem normalen Schulalltag ihre Hobbies, wie z.B. das Tanzen und das Entwickeln von Choreographieren ausleben zu können, so haben andere Schüler/innen Spaß am Organisieren gefunden und wieder andere Spaß am Schreiben des Drehbuchs und dem Verfassen neuer, ergänzender Szenen. Aber genau diese Zeit war es auch, in der man als Kurs immer näher zusammengewachsen ist, seine Horizonte erweitert hat, gelernt hat, sich mit seiner zu verkörpernden Rolle zu identifizieren, aber zur selben Zeit auch langsam nervös geworden ist. Dabei, das muss ich festhalten, gab es Zeiten, in denen die Anspannung aufgrund des Zeitdrucks größer war, und andere, in denen man mal durchatmen konnte und der Premiere optimistisch entgegensah.

Der Beginn der spannendsten, finalen Etappe unseres Jahres als „VPIP-Kurs“ wurde, als die Blätter und Blumen begannen, der Welt wieder Farbe zu verleihen, mit dem Umzug unserer wöchentlichen Kurstreffen vom Musikraum in die Sporthalle eingeleitet, in der das Musical später den Schülern und Lehrern des KGN, sowie deren Familien und Freunden präsentiert werden sollte. Auch wenn das Bühnenbild noch nicht von Anfang an vorhanden war, und wir gerade noch dabei waren, die Darstellung der einzelnen Szenen zu verbessern, sowie die Lehrer uns als Darsteller noch eine Reihe an Präsentations- und Haltungstipps gaben, die wir beherzigten, konnte es sich wohl keiner von uns verkneifen, sich schon mal vorzustellen, wie es am Ende wohl sein würde vor all den Menschen zu spielen, die uns an den drei Aufführungsterminen – hoffentlich mit Begeisterung – von der aktuell noch weitgehend leeren Tribüne zuschauen sollten.

So war es genau diese letzte Zeit, in der man sich selbst und das Musicalstück noch am meisten weiterentwickelt hat, und die, mit dem Termin der immer näher kommenden Premiere immer im Blick, wenn es nach der Meinung fast aller Beteiligten geht, mit Abstand am meisten Spaß gemacht hat. Wir waren mittlerweile ein eingeschweißtes Team, die Rollen waren klar verteilt, wir wussten, was wir noch verbessern mussten und sahen die gemeinsame Zeit auf und hinter der Bühne, die rechtzeitig und mit viel Perfektion von den beiden Kunstkursen unserer Stufe fertiggestellt wurde, nicht mehr als Schulzeit an, sondern dementgegen als einer sich dem Ende zuneigenden, tollen Zeit, in der man neben der ganzen Arbeit auch viel Zeit für seine Freunde hatte, und die wir alle genossen haben.

Als schließlich die Generalprobe stattfand und das Musical, wohl bemerkt nach einigen zeitbedingten Szenenstreichungen, zum ersten Mal in voller Länge und an einem Stück gespielt wurde, waren viele Sorgen vergessen und man hatte das Gefühl, das erreicht zu haben, was man sich zu Beginn des Schuljahres erhofft hatte: Etwas, das dem Schulalltag fremd ist, etwas, auf das man stolz sein kann, und etwas, das einige, inklusive mich, dazu gebracht hat, sich weiterzuentwickeln und über sich hinauszuwachsen. Auch wenn die letzten Monate zu großen Teilen stressig waren, wir viel Zeit investieren mussten, fertig nach Hause kamen, manchmal enttäuscht waren, es viel auswendig zu lernen gab, und wir der Premiere zu manchen Zeiten eher pessimistisch, sowie sehr nervös und aufgeregt entgegensahen, so waren wir uns alle einig, dass sich das am Ende alles gelohnt hat.

Und dann war es soweit: Der Abend der Premiere, der Abend, auf den wir ein ganzes Jahr hingearbeitet haben, und den wir besonders in den letzten Wochen mit Freude erwartet haben. Nachdem wir uns alle fertig gemacht hatten und in unsere Rollen geschlüpft waren, begann die Anspannung mit dem Einlass der Gäste und dem ersten Gemurmel von der Tribüne zu steigen. Ein ganz besonderer Abend, zumal viele unserer Familienmitglieder und Mitschüler im Publikum saßen, die wir begeistern wollten. Dann ging das Licht an und  sobald der erste Satz gesagt war, fiel so gut wie alle Nervosität ab und Selbstsicherheit und großer Spaß machten sich auf und hinter der Bühne breit. 120 Minuten, die wir womöglich nie vergessen werden und die durch ein unbeschreibliches Gefühl, ausgelöst durch tobenden Applaus, zu Ende gingen. Ebenso wie die beiden darauffolgenden Aufführungen, an denen man langsam bemerkte, wie traurig man wird, wenn man bedenkt, dass sich die Zeit dem Ende zuneigt; war man doch gerade jetzt so eingespielt und sicher.

Das Musical war für uns alle eine besondere Zeit, in denen es auch in den Nebenrollen niemals langweilig wurde und in der man sich selbst verwirklichen und über sich hinauswachsen konnte. Eine Chance, das zu zeigen, was wir draufhaben, von der wir alle froh waren, sie genutzt zu haben, und eine Zeit, an die wir uns noch lange mit freudigen Gedanken zurückerinnern werden. Eine Zeit, die geprägt hat. DANKE dafür!

Til Jones – alias „Charlie“ – Q1