Das neue Schulgesetz, das am 1. August in Kraft getreten ist, macht Schule. „Es enthält eine FĂĽlle von neuen Dingen, das Wichtigste ist ein geschärftes Verständnis von dem, was Schule ist, und die Verstärkung der Sicht auf die einzelnen Schulsysteme.“ Mit diesen Worten leitete Regierungspräsident Dr. Jörg Twenhöven am Mittwochabend eine kreisweite Informationsveranstaltung in Ahlen ein.  Die Schulbank im Städtischen Gymnasium drĂĽckten rund 250 Lehrer, Mitglieder des Lehrerrates, der Elternpflegschaft und der SchĂĽlermitverantwortung. „Wir zwingen Kinder durch den Schulbesuch zu einem bestimmten Verhalten. Wenn der Staat Zwang ausĂĽbt, haben die Menschen auch AnsprĂĽche an den Staat“, machte Twenhöven deutlich. Er forderte mehr Kooperation statt Bevormundung, mehr eigenverantwortliche Schule, mehr individuelle Förderung der SchĂĽler.

Wie das aussehen kann, beschrieben Dr. Ulrich Hillebrand und Rainer Hofmann von der Schulabteilung der Bezirksregierung Münster. Sie nannten die wichtigsten Punkte wie die Untersuchung auf Sprachfähigkeit noch vor der Einschulung. Ziel sei es, sowohl den lernschwachen Schüler als auch das hoch begabte Kind zu erkennen und so zu fördern, dass es den Sprung in die nächste Klasse schafft oder auch ein Jahr überspringt. „Der Wechsel zwischen den Klassen ist durchlässiger geworden, das neue Schulgesetz hat hierfür die Grundlagen geschaffen“, stellte der Dezernent der Bezirksregierung heraus.

Ein weiterer Punkt war die Kompetenzstärkung der einzelnen Schule. Alle, die am Schulleben beteiligt sind, sollen künftig gemeinsam handeln. So wählt die Schulkonferenz einer Schule jetzt den Schulleiter. Ein ausgereiftes Schulprofil soll die Qualität des Unterrichts nachhaltig verbessern und auch den Wettbewerb zwischen den Schulen beleben. „Die Schulen sollen mehr und mehr eigenverantwortlich handeln“, brachte es Dr. Ulrich Hillebrand auf den Punkt.

Die jetzt eingeführte flächendeckende Qualitätsanalyse werde den Schulen dabei helfen. Zwei Prüfer besuchen regelmäßig für einige Tage jede der knapp 1000 Schulen im Regierungsbezirk Münster. Abschließend erhält die Schule eine Analyse der Stärken und Schwächen. Befragt würden von den Qualitätsprüfern sowohl der Schulträger als auch Lehrer.

Nach fast zweistündiger Information durch die Vertreter der Bezirksregierung gab es nur wenige kritische Nachfragen. Im Fokus standen dabei die Sprachfeststellungsprüfung, die individuelle Förderung von Schülern und die Durchführung der Qualitätskontrolle.


Bild: Im Rahmen einer kreisweiten Informationsveranstaltung erläuterten am Mittwochabend in Ahlen (v. l.) Reinhard Aldejohann (Leiter Schulabteilung Bezirksregierung Münster), Regierungspräsident Dr. Jörg Twenhöven, Ingeborg Teiner (Schulamtsdirektorin beim Kreis Warendorf) und Siegfried Knepper (Schulleiter Städtisches Gymnasium Ahlen) das neue Schulgesetz in NRW.

Text u. Bild: Angelika Knöpker; Die Glocke vom 15.9.2006