Ein bester Beweis dafür, dass sich junge Menschen hierzulande sehr wohl noch mit Politik beschäftigen, war die Diskussionsrunde am Donnerstagabend im Hause Bockey in Neubeckum.

Der Einladung der Schulleiterin des Kopernikus-Gymnasium, Brigitte Eberhardt, waren Dr. Peter Paziorek (CDU), Reinhard Schultz (SPD), Gerd Nergert (Bündnis 90/Die Grünen), Karl-Heinz Wonsak (FDP) und Walter Rottstaedt (Die Linke) gefolgt. Die Kandidaten des Wahlkreises Warendorf stellten sich den vorbereiteten Fragen.

Im Vorfeld hatten die Schüler der Jahrgangsstufen 11 bis 13 ihre Fragen aufgeschrieben. Sebastian Michelswirth und Caroline O'Sullivan, beide Jahrgangsstufe 13, hatten die Bögen ausgewertet und trugen die Ergebnisse den Diskussionsteilnehmern vor. Die am häufigsten gestellten Fragen betrafen die Themen Arbeitsmarkt- und Ausbildungspolitik, Familienpolitik sowie Finanzen und Steuern.

"Wie entstehen neue Arbeitsplätze?", wollten die Moderatoren wissen, und jeder Politiker erhielt die Möglichkeit, ausführlich darauf zu antworten. Und schon kommt es zu Zwischenrufen aus dem Publikum: "Sie hatten doch sieben Jahre Zeit!" wurde Reinhard Schultz vorgeworfen, der seine Partei aber auf dem richtigen Weg sieht. Der nächste angesprochene Bereich betraf den Europäischen Stabilitätspakt und wie die Haushaltslöcher gestopft werden können. Die fünf Kandidaten auf dem Podium erklärten und verteidigten ihre jeweilige Position und wurden von ihren Parteianhängern im Publikum dabei unterstützt. Sehr interessierte die Jungwähler, was die Politiker zum Thema Familien- und Frauenpolitik und demografischer Wandel zu sagen hatten. Dr. Peter Paziorek (CDU) forderte die Arbeitgeber auf, flexiblere Arbeitszeiten und Betriebskindergärten einzurichten. Ein flächendeckendes Betreuungsangebot vom Staat lehnt er ab. Zudem sollen Kinderbonusfreibeträge und die Wiedereinstiegsmöglichkeit nach drei Jahren ein "ja" zum Kind erleichtern.

Gerd Nergert (Grüne) meinte, dass Rot-Grün schon viel geschafft habe, möchte jedoch die Ganztagsbetreuung in Kindergärten und Schulen weiter ausbauen. Auch Reinhard Schultz (SPD) befürwortet die frühe zuverlässige Ganztagsbetreuung, denn so erhielten Kinder die gleichen Startchancen und Einzelkinder könnten soziales Verhalten in Gruppen erlernen.

Walter Rottstaedt von der Linkspartei erinnerte an die wachsende Kinderarmut in Deutschland und forderte, dass es keine Strafe sein dürfe, Kinder zu bekommen. Und Karl-Heinz Wonsak (FDP) plädierte für die Abschaffung der Steuerklasse fünf, für einen Kinderfreibetrag von 7700 Euro und für eine Krankenversicherung mit Kindern, die durch ein Bürgergeld unterstützt wird.

Zum Abschluss der zweistündigen Podiumsdiskussion erläuterte jeder der Politiker den Jung- und Erstwählern, warum sie gerade ihre Partei wählen sollen. Dem Ziel, die jungen Menschen für Politik zu begeistern und sie zu informieren, ist Sigfrid Krebs, der als stellvertretender Schulleiter das Projekt betreute, wieder einen Schritt näher gekommen.

Hildegard Zajac

Bild v.l.
Walter Rottstaedt (Die Linke)
Reinhard Schultz (SPD)
Caroline O'Sullivan, Moderatorin
Dr. Peter Paziorek (CDU)
Sebastian Michelswirth, Moderator
Karl-Heinz Wonsak (FDP)
Gerd Nergert (Bündnis 90/Die Grünen)

Text und Fotos: Hildegard Zajac, "Die Glocke", Kreis Warendorf, 10.9.2005