Das Neubeckumer Kopernikus-Gymnasium war achtzehnte Station einer Wanderausstellung zum Thema „Kurt Schumacher – ein unermüdlicher Streiter für die Demokratie“. Aus Anlass der zu Ende gehenden, gut besuchten Veranstaltung im Schreiblesezentrum der Schule, würdigte nun Dr. Lothar Hyss, Direktor des Westpreußischen Landesmuseums in Münster-Wolbeck  die historische Leistung des herausragenden Sozialdemokraten.
So beschrieb Dr. Lothar Hyss, Kurt Schumachers antikommunistische und antisowjetische Einstellung als Folge kindlicher Erfahrungen in seiner damals deutschen unweit der russischen Grenze gelegenen Heimatstadt Kulm. Die Haltung des dort ansässigen liberalen Bürgertums, dem auch die eigenen Eltern angehörten, sei von  Misstrauen und Ablehnung gegenüber dem Zarenreich geprägt gewesen und deshalb auch in Kurt Schumacher tief verwurzelt. Seiner glücklichen Kindheit in Westpreußen seien Jahre gefolgt, die an Tragik und Dynamik  nicht zu übertreffen waren. Der erste Weltkrieg an dem er als Kriegsfreiwilliger teil nahm, sei nicht nur wegen der Amputation seines rechten Armes folgenschwer für den Sozialdemokraten  gewesen, sondern auch der Verlust der Heimat  Kulm an Polen als Folge des Versailler Vertrags. Seiner Familie sei deshalb, um deutsche Staatsbürger bleiben zu können, nichts anderes übrig geblieben, als ins Deutsche Reich über zu siedeln.
 
Dreh- und Angelpunkt Schumachers politischer Tätigkeit sei  immer der Kampf gegen antidemokratische Kräfte gewesen, ob in der Weimarer Republik, während des Nationalsozialismus oder nach dem Zweiten Weltkrieg. Er sei sich der Gefahr der radikalen Parteien jeglicher Färbung stets bewusst gewesen und  ihnen entschieden entgegen getreten, was dazu geführt habe,  dass er zum meist gehassten SPD-Politiker der Nazis geworden sei. Statt zu emigrieren, habe er  zehn Jahre Verfolgung sowie eine jahrelange Haft in verschiedenen Konzentrationslagern in Kauf genommen. Auch diese Erlebnisse und  die Amputation seines linken Beines hätten den Politiker in seinen Kampf für die Demokratie nicht aufhalten können. Mit Recht müsse man Kurt Schumacher heute als einen der Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland sehen, der eine „Wehrhafte Demokratie“ gefordert und sie  durch sein politisches Wirken im Grundgesetzt verankert habe.
 
Den bedingungslosen Einsatz des aufrechten Sozialdemokraten für die Demokratie lobte auch Vorredner Willi Schriek. Stellvertretende Bürgermeisterin Resi Gerwing mahnte in ihrem Grußwort, diese Demokratie wie einen Augapfel zu hüten.
 
 
Bild: v.l. Dr. Lothar Hyss (Direktor des Westpreußischen Landesmuseums), Schulleiterin Brigitte Eberhard, Resi Gerwing (stellvertretende Bürgermeisterin Stadt Beckum) und Fachlehrer für Geschichte Willi Schriek würdigten das politische Lebenswerk des Sozialdemokraten und Gründervaters der Bundesrepublik Deutschland, Kurt Schumacher, der 1952 im Alter von 57 Jahren in Bonn verstarb.
 
 Text und Foto: Sigrid Himmel, "Die Glocke", 2.7.05