- Innovative Wege zur Förderung der Sprachkompetenz -

Ein wenig aufgeregt ist Sabrina Welz schon. Nicht mehr lange, dann wird die Zehnjährige ihren Mitschülern in der fünften Jahrgangsstufe des Kopernikus-Gymnasiums das Buch "Neun Punkte für das Sams" vorstellen. Bei der Vorbereitung auf diese Herausforderung wird die Schülerin hervorragend unterstützt, und zwar von der ausgebildeten Schreibberaterin Farah Fischer (18) aus der Jahrgangsstufe 13. Die Schreibberatung, die Schüler außerhalb des eigentlichen Unterrichts ehrenamtlich für Schüler übernehmen, ist nur ein Angebot im Schreib- und Lesezentrum des Neubeckumer Kopernikus-Gymnasiums. Als landesweit erste Schule hat es auf Initiative von Fachlehrer Jürgen Feist vor drei Jahren mit dem Aufbau des Zentrums begonnen und damit einen innovativen Weg zur Förderung der Schreib- und Lesefähigkeit beschritten.

Integriert sind neben der Schüler- und Lehrerbibliothek auch Computerarbeitsplätze, die von Schülern genutzt werden können. Vor allem aber soll das Zentrum ein Ort der Kommunikation sein, an dem sich Schüler losgelöst von klassischen Unterrichtsformen mit Sprache und Texten auseinander setzen. Dass Beschäftigung mit Texten für Jugendliche nicht nur Last, sondern auch Lust sein kann, erfuhr Jürgen Feist unter anderem bei der Ausbildung von Schreibberatern. "Die Resonanz war verblüffend und hat gezeigt, dass die Jugendlichen auf neue Angebote reagieren, und zwar mit großem Engagement und großer Motivation", so Feist. Neben der Hilfe für Mitschüler werden im Schreib- und Lernzentrum in der zweiten Pause täglich kurze Vorleseeinheiten angeboten, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Ein weiterer Aspekt der innovativen Förderung von Schreib- und Lesefähigkeit sind Projektarbeiten im Deutschunterricht, die prozessartig entwickelt werden und teilweise eine Klassenarbeit ersetzen können.


Für die Entwicklung des Konzepts der Schreib- und Lesezentren an Schulen in acht europäischen Ländern ist das Kopernikus-Gymnasiums jetzt aufgrund seiner Vorreiterrolle als Modellschule für das Lehrerfortbildungsprojekt "scriptorum.eu" ausgewählt worden. Gestern fiel in Neubeckum der Startschuss für das auf drei Jahre angelegte Projekt, das von Dr. Gerd Bräuer (Pädagogische Hochschule Freiburg) geleitet und von der EU mit 350 000 Euro gefördert wird. Zu den Autoren eines Fachbuchs "Schreiben(d) lernen - Ideen und Projekte für die Schule" (Edition Körber-Stiftung) zählt neben Annette Schaven auch Fachlehrer Jürgen Feist.Westfalen.


Text/ Bild: Alfred Mense, Die Glocke, "Beckum", 9.11.05