Kosmisches Ereignis

London/Washington (dpa).
Der Stern Mira im Sternbild Walfisch überrascht Astronomen mit einem gigantischen kometenähnlichen Schweif. Die Gasfahne des roten Riesensterns zieht sich 13 Lichtjahre weit durch den Kosmos. Das ist mehrere tausend Mal so lang wie der Durchmesser unseres Sonnensystems, wie die Carnegie Institution (CIW) gestern in Washington mitteilte. Nichts Derartiges sei jemals bei einem Stern beobachtet worden.

"Das ist ein völlig neues Phänomen für uns, und wir sind immer noch dabei, die Physik zu verstehen, die dazu führt", sagte CIW-Astronom Mark Seibert. Mit seinen Forscherkollegen stellt er die Entdeckung im britischen Fachjournal "Nature" vor.

Mira Ceti, übersetzt der "wundersame Stern im Walfisch", rast ungewöhnlich schnell mit einer Geschwindigkeit von 468 000 Kilometern pro Stunde durch den Kosmos. Der einst unserer Sonne ähnliche Rote Riese bläst dabei seine äußere Hülle ins All, wie es von vielen alten Sternen bekannt ist. In diesem Fall jedoch ähnele der Sternenschweif der Rauchfahne einer Dampflok, berichten die Astronomen. Dabei dokumentiere er die Vergangenheit des Sterns, denn der Schweif bestehe aus dem Material, das Mira in den vergangen 30 000 Jahren verloren habe.

"Wir hoffen, aus Miras Schweif wie aus einem Fernschreiberband das Leben des Sterns ablesen zu können", sagte Seibert. Dank dieser einmaligen Gelegenheit könnte sich vielleicht detailliert untersuchen lassen, auf welche Weise Sterne wie unsere Sonne ihre Existenz aushauchen. Die Sonne wird sich in fünf Milliarden Jahren gegen Ende ihrer Existenz ebenfalls zu einem Roten Riesen aufblähen und zahlreiche chemische Elemente wie Kohlenstoff und Sauerstoff abstoßen. Auf diese Weise streuen alternde Sterne die Saat für neue Planetensysteme. Auch sämtliche schwereren Elemente auf der Erde stammen aus vergangenen Sternen.

Mira ist ein 350 Lichtjahre entfernter Riesenstern, dessen Helligkeitsschwankungen vor etwa 400 Jahren vom ostfriesischen Landpfarrer David Fabricius entdeckt worden waren. Mira bläht sich im Rhythmus von 330 Tagen auf und wird im selben Takt heller und dunkler. Er war namensgebend für eine ganze Klasse solch veränderlichen Sterne. Miras Schweif entdeckten die Astronomen im ultravioletten Licht mit dem Satellitenobservatorium "Galaxy Evolution Explorer" (Galex) der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

www.nasa.gov/galex 

Die Glocke, 16.08.2007