Anschreiben und Flyer zur Schulhofneugestaltung 2017 (pdf)

Das F√∂rdern und Fordern unserer Sch√ľlerinnen und Sch√ľler liegt uns besonders am Herzen. Aus diesem Grund haben wir am Kopernikus-Gymnasium im Schuljahr 2015/16 das Konzept des Lerncoachings an unserer Schule etabliert. Sch√ľlerinnen und Sch√ľler der Jahrgangsstufen 9-Q1 unterst√ľtzen die Sch√ľlerinnen und Sch√ľler der Klassen 5-6 (auf Nachfrage aber auch dar√ľber hinaus) individuell bei der Optimierung ihrer Lern‚Äď und Verstehensprozesse.

Ziel ist es, die (j√ľngeren) Sch√ľlerinnen und Sch√ľler beim Lernen zu unterst√ľtzen, ihre Lernfreude zu steigern und dadurch ihre individuellen schulischen Leistungen zu verbessern. Beim Lerncoaching geht es nicht um eine Nachhilfe im klassischen Sinne (siehe hierzu Konzept F√∂rderb√∂rse), sondern um ein systematisches Training im Lernen lernen. Lerncoaching ist eine Lernbegleitung, bei der die lernenden Sch√ľlerinnen und Sch√ľler selbst das Zepter in der Hand behalten. Es bietet Raum, auf individuelle Schwierigkeiten und Bed√ľrfnisse einzugehen.

 

Ziele von Lerncoaching

Lernende m√ľssen dazu bef√§higt werden, sich Wissen selbst anzueignen und ihren Lernprozess selbstst√§ndig zu steuern. Diese Eigenschaften k√∂nnen im Rahmen von Lerncoaching gef√∂rdert und optimiert werden, zumal hier eine explizite sowie bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernen stattfindet. Grunds√§tzlich existieren unterschiedliche Vorstellungen von den Zielen von Lerncoaching. Im Folgenden wird auf die wesentlichen Aspekte im Bereich der Kompetenzf√∂rderung durch Lerncoaching eingegangen:

 

  1. Förderung sozial-kommunikativer Kompetenz
  • Lernschwierigkeiten formulieren
  • Lernziele artikulieren

 

  1. Förderung Personalkompetenz
  • Pers√∂nlichkeitsst√§rkung
  • Selbstwahrnehmung / Selbstreflexion
  • Umgang mit Pr√ľfungsangst
  • Motivation

 

  1. Förderung Methodenkompetenz
  • Organisations- und Planungsf√§higkeit
  • Zeitmanagement

 

  1. Förderung Fachkompetenz
  • fachbezogene Unterst√ľtzung
  • Lernbegleitung
  • Lernprozessbegleitung
  • Pr√ľfungsvorbereitung

 

Ablauf des Lerncoachings

Die Lernenden stehen im Zentrum des Lerncoachings und steuern den Prozess durch aktive Beteiligung ma√ügeblich. Gemeinsam begeben sich Coach und Lernende auf die Suche nach individuellen L√∂sungen und Strategien, die m√∂glichst passgenau den Bed√ľrfnissen und der Pers√∂nlichkeit der Lernenden entsprechen. Einen Gewinn erfahren die Lernenden in der Entwicklung eines Bewusstseins f√ľr ganz unterschiedliche Bereiche ihres Lernens. Dieses Bewusstsein wird im Lerncoaching geschult.

Überträgt man das Grundanliegen des Coachings auf Schule, so ergibt sich zunächst, dass es eine Form der individuellen Beratung ist. Diese verläuft in unterschiedlichen Phasen ab:  

 

Quelle: Hardeland, Hanna (2013): Lernende in ihrem Lernprozess wirksam begleiten und unterst√ľtzen. Hohengehren: Schneider Verlag.

 

Grenzen von Lerncoaching

Im schulischen Kontext hat Lerncoaching Grenzen, d.h. Lerncoaching darf nicht therapeutisch betrieben werden. Psychische Erkrankungen oder verborgene St√∂rungen √ľbersteigen den Wirkungsbereich des Lerncoachings. In diesen F√§llen sind √Ąrzte und Psychologen einzubinden.

 

Lerncoaching unterst√ľtzt individuelle Lernprozesse. Es erm√∂glicht ein pr√§zises Eingehen auf die M√∂glichkeiten des Lernenden und weckt Potentiale. Individuelle Ressourcen liegen h√§ufig im Verborgenen, im Lerncoaching werden sie entdeckt und f√ľr die jeweilige Lernsituation nutzbar gemacht. Dies erfordert vom Lerncoach sowohl einen ressourcenorientierten Blick als auch eine empathische Kommunikation. Damit werden Lernstrategien entwickelt, Lernblockaden gel√∂st und die Motivation der Lernenden zuk√ľnftig gest√§rkt.

 

Text und Foto: Marthe Edel

 

 

Neubeckum im November 2016                                                                        Marthe Edel, Lerncoach

 

Die Erprobungsstufe am Kopernikus-Gymnasium Neubeckum (pdf)

Das Hausaufgabenkonzept (pdf)

In der Regel wissen Kinder, dass sie sich beim Schreiben an orthographische Regeln zu halten haben, aber sie verstehen nicht, wie sie sie anwenden sollen. In ihrer Orientierungslosigkeit folgen sie zwei Strategien: zum einen verf√ľgen sie √ľber eine gewisse Anzahl von W√∂rtern, die sie sich in der Grundschule durch Wortlistentraining eingepr√§gt haben; diese W√∂rter k√∂nnen sie abrufen und schreiben; bei unbekannten W√∂rtern hingegen konstruieren sie nach dem Prinzip ‚ÄěSchreib wie du sprichst‚Äú.
Alle Kinder, die sich im Lese- und Schreiblernprozess befinden, machen Fehler. H√§lt aber die Verwechslung von Lauten an, werden Buchstaben vertauscht oder weggelassen und W√∂rter bis zur Unleserlichkeit verst√ľmmelt, sollten wir hellh√∂rig werden. In diesem Fall liegt der Verdacht nahe, dass eine m√∂gliche Lese-Rechtschreibschw√§che (LRS) vorliegt. Von LRS sprechen wir, wenn ein Kind das Lesen oder Schreiben in der daf√ľr vorgesehenen Zeit nicht oder nur sehr unzureichend erlernt hat. H√§ufig reagieren solche Kinder √ľbersensibel auf Leistungsanforderungen aus Schule und Elternhaus. Sie f√ľhlen sich st√§ndig √ľberfordert, stehen unter Druck, leiden unter Konzentrationsmangel und reagieren oft aggressiv oder mit Resignation und Verweigerung.

Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern, die besondere Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben haben, zu helfen, ist zun√§chst einmal Aufgabe der Schule (siehe hierzu: Runderlass ‚ÄěF√∂rderung von Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern bei besonderen Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Rechtschreibens (LRS)‚Äú (BASS 14-01 Nr. 1)). Die Lernenden sollen ein Gesp√ľr f√ľr die Rechtschreibung entwickeln; hierf√ľr m√ľssen sie verschiedene Schreibstrategien und Strategien zur Textkorrektur kennenlernen, anwenden und verinnerlichen. Um die richtigen Strategien individuell zu bestimmen, verl√§uft die Lese-Rechtschreibf√∂rderung am Kopernikus Gymnasium in vier Schritten:

Schritt 1: Beobachten und analysieren


Um Lernschwierigkeiten festzustellen und individuell zu beheben, ermitteln die Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer der Jahrgangsstufe 5 aufgrund von m√ľndlicher Mitarbeit, Klassenarbeiten, Hausaufgaben etc. mithilfe eines Beobachtungsbogens, ob bei einem Kind eine m√∂gliche LRS vorliegt. Denn daran, wie einzelne W√∂rter vorgelesen oder geschrieben werden, l√§sst sich oftmals schon erkennen, welche Schwierigkeiten eine Sch√ľlerin/ein Sch√ľler hat. Dies allein reicht aber nicht aus. Dar√ľber hinaus wird die Lernsituation der betroffenen Sch√ľlerinnen und Sch√ľler in schulischen, sozialen, emotionalen, kognitiven und physiologischen Bereichen und in ihrem Lern- und Arbeitsverhalten analysiert (z.B. Beobachtung der Motivation beim Lesen und Schreiben im Unterricht oder Vergleich des Schriftbildes in Hausaufgaben und Klassenarbeiten).

Der Beobachtungsbogen umfasst im Einzelnen die Teilbereiche Lesen, Schreiben, gesprochene Sprache, Merkfähigkeit, Motorik und Verhaltensauffälligkeiten.

Schritt 2: Testen und diagnostizieren


Im Zusammenhang mit LRS kooperiert das Kopernikus-Gymnasium mit dem Lernserver der Universit√§t M√ľnster (www.lernserver.de). Zur Feststellung einer tats√§chlichen LRS wird in der Jahrgangsstufe 5 f√ľr gew√∂hnlich ein vom Lernserver standardisierter und normierter Rechtschreibtest in Form eines L√ľckendiktats eingesetzt, der handschriftlich vom Kind auszuf√ľllen ist. Die Teilnahme an dieser Rechtschreibanalyse erfolgt auf der Grundlage des ausgewerteten Beobachtungsbogens. Die Eingabe der Fehlschreibungen erfolgt nach Beendigung des Tests online. Unmittelbar nach der Eingabe steht eine umfassende, gewichtete und nach qualitativen wie quantitativen Gesichtspunkten vorgenommene Einsch√§tzung der Sch√ľlerin/des Sch√ľlers zur Verf√ľgung.

3. Fördern


Nach erfolgter Eingangsdiagnose werden f√ľr jede Sch√ľlerin/jeden Sch√ľler individuelle, √ľberschaubar portionierte F√∂rderpakete geschn√ľrt, die heruntergeladen und ausgedruckt werden. Anhand einer im Hintergrund ablaufenden Feindiagnose werden entsprechend der St√§rken und Schw√§chen der betreffenden Sch√ľlerinnen und Sch√ľler Arbeitsbl√§tter (mit L√∂sung), F√∂rderhinweise, Spiel- und √úbungsvorschl√§ge sowie Wortlisten zusammengestellt, welche die Lernenden einmal w√∂chentlich in einer gesonderten LRS-F√∂rderstunde im Nachmittagsbereich unter Aufsicht und Anleitung einer Fachkraft bearbeiten. Der Umfang eines F√∂rderpakets kann, je nach Ergebnis der Diagnose, mehrere hundert Seiten umfassen und reicht f√ľr eine F√∂rderdauer von einem Jahr (Schulhalbjahr 5.2 ‚Äď 6.1).

4. Evaluieren


F√ľr jede Sch√ľlerin/jeden Sch√ľler steht am Ende des Kursjahres die Evaluation des F√∂rdererfolgs an. Daf√ľr erhalten die Lernenden ein L√ľckendiktat (B-Test), welches dieselben Testw√∂rter wie der Eingangstest enth√§lt, um die Vergleichbarkeit zu wahren. Die Fehlschreibungen werden erneut online eingegeben und im Anschluss steht eine Gegen√ľberstellung beider Testergebnisse zur Verf√ľgung, wobei der F√∂rdererfolg mithilfe eines statistischen Vergleichs der Tests evaluiert wird. Aufgrund dieses Ergebnisses wird abschlie√üend ein R√ľckmeldebogen erstellt, welcher Sch√ľlerinnen, Sch√ľlern und Eltern Auskunft √ľber Fortschritte, Entwicklungstendenzen aber auch verbleibende Defizite gibt. Zus√§tzlich erhalten die Lernenden weitere f√ľr zu Hause geeignete F√∂rderempfehlungen inklusive ihrer F√∂rderpakete in digitaler Form. Sollte die F√∂rderung danach noch nicht abgeschlossen sein, wird gemeinsam mit den Eltern √ľberlegt, welche weiterf√ľhrende Therapie stattfinden sollte.

Durch ein kleinschrittiges und individuell angepasstes F√∂rderkonzept ist es uns gelungen, Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern bei der Verbesserung ihrer Lese-Rechtschreibschwierigkeiten zu helfen: Die intensive schulische F√∂rderung gew√§hrleistet, dass ein unzureichender Lese-Rechtschreibr√ľckstand aufgeholt und durch die h√§usliche Weiterarbeit auch nachhaltig verbessert werden kann. Somit lassen sich langfristig Schreib- und Lesefreude wiedergewinnen und damit auch die Freude am Unterricht allgemein steigern. Allerdings brauchen alle, die an diesem Entwicklungsprozess beteiligt sind, einen sehr langen Atem, denn Lese-Rechtschreibschwierigkeiten lassen sich nicht von heute auf morgen beheben, aber durch angemessene F√∂rderung und Kooperation zwischen Schule und Elternhaus zumeist erfolgreich bearbeiten.



Neubeckum im Juni 2015¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Marthe Edel, Ansprechpartnerin f√ľr LRS

Der Elternchor, gegr√ľndet vom F√∂rderverein, mit dem Namen ‚ÄěCantiamo‚Äú. Probezeiten donnerstags 19.15-20.15 Uhr im Musikraum der Schule.